Dieses Buch analysiert am Beispiel des Erdöls und Venezuelas das Verhältnis der entwickelten, von ihren internationalen Gesellschaften vertretenen kapitalistischen Länder zu den natürlichen Reichtümern der exportierenden Länder der Dritten Welt. Dieses Verhältnis entwickelte sich während des Konzessionsregimes zum Vorteil von Venezuela. Diese Entwicklung gipfelte in dem Hydrokarburatengesetz von 1943, in dem auch die staatlichen Hoheitsrechte bezüglich der Steuern verankert wurden. Mit der Nati...
Dieses Buch analysiert am Beispiel des Erdöls und Venezuelas das Verhältnis der entwickelten, von ihren internationalen Gesellschaften vertretenen kapitalistischen Länder zu den natürlichen Reichtümern der exportierenden Länder der Dritten Welt. Dieses Verhältnis entwickelte sich während des Konzessionsregimes zum Vorteil von Venezuela. Diese Entwicklung gipfelte in dem Hydrokarburatengesetz von 1943, in dem auch die staatlichen Hoheitsrechte bezüglich der Steuern verankert wurden. Mit der Nationalisierung 1975 wurde dieses Gesetz jedoch aufgehoben und die Erdölpolitik von der staatlichen Erdölindustrie übernommen. Die weitere Entwicklung zugunsten der internationalen Erdölgesellschaften führte dazu, dass die steuerlichen Hoheitsrechte durch entsprechende Abkommen über Entschädigungen und der Verpflichtung zu einer staatlichen Minderheitsbeteiligung in den Assoziationen praktisch neutralisiert wurden. Der Versuch, unter dem von Hugo Chávez geschaffenem Regime diese Situation zu überwinden, scheiterte. Schließlich übernahmen die USA die Kontrolle über das Land, so dass jetzt die Reprivatisierung der Erdölindustrie ansteht, ohne dass die staatliche Gesellschaft noch an den Operationen beteiligt wäre.
Bernard Mommer wurde 1943 in Frankreich geboren, als Sohn einer belgischen Mutter und eines deutschen Vaters, beide Flüchtlinge vor dem deutschen Faschismus. Er ist Diplommathematiker (1967) und Doktor der Sozialwissenschaften (1976) der Universität Tübingen. Seit 1970 konzentrierten sich seine Forschungen jedoch auf die Entwicklungen am Erdölweltmarkt und deren politische und wirtschaftliche Auswirkungen. Unter seinen Veröffentlichungen bezeugen dies insbesondere „Das Erdöl im Wirtschaftsdenken Venezuelas“ (Caracas 1987; Koautor Asdrúbal Baptista) und „Globales Erdöl und der Nationalstaat“ (Oxford 2002). Von 2005 bis 2008 war er Vizeminister für Hydrokarburate in Venezuela und von 2008 bis 2017 war er der venezolanische Gouverneur bei der OPEC in Wien.